Art House: KRIEGERIN! – Ihr Kampf beginnt

KRIEGERIN ist kein Film für seichte Gemüter, aber vorallem im aktuellen, politischen Kontext unbedingt sehenswert!

Das mehrfach ausgezeichnete Regiedebüt von David Wnendt schockiert! Rohe Gewalt und Hass spielen hier die Hauptrollen. Und doch ist es ein Film, der uns in seinen Bann zieht und uns die faszinierende Wandlung einer aggressiven und um sich schlagenden 20-jährigen Rechtsradikalin, die sich zum Menschenfreund entwickelt, beobachten lässt. Wnendt hat sich zwei Jahre lang in der Neonazi-Szene aufgehalten, intensive Recherchen betrieben und Interviews mit Gang-Mitgliedern geführt. Das Resultat sind wahre Begebenheiten, die Wnendt herangezogen hat, um den Hauptcharakter Marisa zu formen.

Filmtipp KriegerinSo fehlen weder Springerstiefel, Hakenkreuz-Tattoos noch harte Schlägereien. Der Film „Kriegerin“ ist wuchtig, brutal, roh und zeigt uns alle Schattierungen der rechten Szene. Der Zuschauer ist geneigt, dies als die typischen Klischees abzutun. Doch wenn uns Marisa anfänglich mit ihrer aggressiven Angriffslust und ihrer Wut anderen Mitmenschen gegenüber, die nicht in ihr Weltbild passen, abstößt, so werden wir fasziniert von einer „Kriegerin“, die mehr und mehr ihre Lebenssituation in Frage stellt.

Kriegerin und FreundMarisa (Alina Levshin) hat beruflich nicht gerade eine aufstrebende Karriere vor sich und arbeitet als Kassiererin in einem kleinen Lebensmittelladen in Ostdeutschland. Ihr Freund sitzt im Gefängnis, mit der Mutter gibt es ständig Zoff und ansonsten vertreibt sie sich die Zeit damit, mit ihrer Clique brutale Attacken gegen Ausländer zu starten. Die Beziehung zu ihrem Großvater, einem ehemaligen Landser, scheint ihr einziger Lichtblick zu sein. Die Ideologie dieses Mannes, der seine Enkelin mit Parolen und Propaganda des NS-Regimes inklusive Judenfeindlichkeit aufzog, erweist sich als die Quelle allen Übels. Spätestens jetzt wird uns gezeigt, dass hier bewusst eine kleine „Kriegerin“ herangezüchtet wurde.

Szene mit Großvater und Enkelin Szene mit Enkelin und GroßvaterDoch mit einem unglücklichen Zusammentreffen mit afghanischen Asylbewerbern ändert sich alles. Nachdem Marisa mit ihrem Auto die beiden Brüder, die auf einem Mofa vor ihr flüchten, wutentbrannt rammt und von der Fahrbahn stößt, meldet sich bei ihr das schlechte Gewissen. Sie glaubt den älteren Bruder getötet zu haben. Nachdem der jüngere Bruder sie um Hilfe bittet, reagiert sie erst zögerlich, doch sensibilisiert sie sich immer mehr und versorgt den Jungen mit Lebensmitteln, hört sich seine Geschichten an, gibt ihm eine Bleibe und letztendlich sorgt sie dafür, dass er nach Schweden zu seiner Familie fliehen kann. Sie löst sich aus ihrem von Hass und Gewalt dominierenden Umfeld, bricht mit ihrem Freund, den sie mit einem letzten Gewaltakt ihres Lebens zusammenschlägt.

Kriegerin - EinkaufsszeneDie Wandlung einer „Kriegerin“ in eine mutige und sensible Humanisten, die für andere etwas tut und sich einsetzt, muss dafür einen bitteren Preis bezahlen. Der Film mag viele abstoßen, aber er ist insofern sehenswert, da er uns ungeschönt und ehrlich eine Seite unserer Gesellschaft zeigt.

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Photos via Youtube

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