Berlin Fashion Week: Augustin Teboul H/W 11/12

Ausgerechnet an das Märchen vom Rotkäppchen ist die Debut Kollektion für Herbst/Winter 11/12 des deutsch-französischen Labels Augustin Teboul angelehnt. Außer der roten Farbe der Haarpracht der Models hat “Little Red Head” allerdings nicht viel mit dem niedlichen und lieben Mädchen aus Grimms Märchen gemein. Und selbst in Bezug auf die Haarfarbe muss man es schon ganz genau wissen…

Das Newcomerlabel der ESMOD Paris Absolventinnen Annelie Augustin und Odély Teboul feierte gestern Abend mit einer ungewöhnlichen Installation im Soho House Berlin Premiere. Als wir nach längerem Warten schließlich eingelassen wurden, freute ich mich auf einen Sitzplatz und Entspannung für meine High-Heel geprügelten Füße. Weit gefehlt, denn uns erwartete keine Show im traditionellen Sinne. Ebenerdig stand man der Installation gegenüber:

In einem großen Saal erwarte uns am Ende eine arrangierte Gruppe von 12 Models – auf nostalgischen Sofas, Sesseln und Hockern platziert mit fester Haltung und starrem Blick.  Absoluter Blickfang waren die Prachtwerke von Frisuren. Die Mädels trugen  Rostrote  üppige Perücken – teils zu Barocken Kunstwerken aufgetürmt, teils zu bizarren Stufenschnitten umgewandelt oder aufs aufwendigste verflochten und scheinbar “verhäkelt”. Die Kleidung war jedoch kein geringerer Hingucker: schwarz in seiner feinsten Form. Feminine, hautenge Bodys, Hosen und Stulpen & transparente Röcke und Kleider aus Leder, Spitze, Netz und Häkelelemten umspielten die Körper der beinahe weißhäutigen Models mit knallroten Lippen. Ein Mädchen nach dem anderen erhob sich und begann eine Rolle zu spielen; wandelte andächtig im Raum umher, kokettierte mit dem Publikum und fand schließlich in seine alte Position zurück. Mein Eindruck dieser Inszenierung liegt irgendwo zwischen düster und romantisch, altertümlich und irgendwie avantgardistisch. Die “Adams Family” kam mir ebenso in den Sinn wie Madonnas Video “Frozen” und hinzu ein wenig Sexappeal a la Agent Provocateur – wobei die Models dafür für unseren Geschmack definitiv ein bisschen zu wenig Fleisch auf den Rippen hatten.

In eine Schublade lässt sich die Kollektion von Agustin Teboul jedenfalls nicht stecken, aber das ist auch das Ziel; festlegen wollen die beiden Designerinnen sich nämlich nicht, dabei finde ich den Stil jetzt schon ziemlich prägnant und bin schon gespannt, wie es in der kommenden Saison weitergeht.

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