Ein Besuch bei Theaterkunst Berlin

Unscheinbar:Der Eingang zur Theaterkunst

Schon über 100 Jahre stattet „Theaterkunst“ Filme, Fernsehen und Bühne mit Kostümen aller Art aus. 1907 in Berlin gegründet, bietet das Unternehmen einen Fundus, der inzwischen über 10Millionen Teile umfasst. Von Berufskleidung, historischen Kostümen aller Epochen ,Freizeitkleidung ,modernen Designerstücken, Schuhen,  Accessoires aller Art bis hin zu Rüstungen und Waffen. Und das für Männer, Frauen und Kinder. An den vier Standorten Berlin, Köln, München und Hamburg werden die Kostüme gehegt und gepflegt. Eigene Schneidermeister und Werkstätten arbeiten originale Kostüme auf und schneidern auf höchstem Niveau original getreu nach. Auch auf Anfrage. So ziemlich jeder Film, der in Sachen Kostüm einen historischen oder kreativen Anspruch erhebt wurde von Theaterkunst unterstützt oder ausgestattet. Filme, wie „Shutter Island“, „Inglourious Basterds“, “Das weiße Band“, „Ein russischer Sommer“, „Soul Kitchen“, „Hilde“, aber auch Klassiker, wie „Metropolis“, wurden kostümtechnisch von Theaterkunst versorgt. Und die Liste ist noch um einiges länger. Insgesamt also ein ziemlich beeindruckendes Aufgebot. Für uns Grund genug im Berliner Haus vorbei zu schauen und uns ein paar Highlights zeigen zu lassen.

Originale Designerteile der letzten 40 Jahre

Birkin Bags

Als großer Fan historischer Filme bin ich bereits im Foyer sprachlos. Dort begrüßt und das aufwendig gearbeitete Kleid, das Helen Miren in „Ein russischer Sommer“ trug. Weiter geht es in den ersten großen Raum. Zwischen Kleiderstangen mit zusammengestellten Reservierungen für noch unbekannte Projekte hängen zeitgenössische Designerstücke, teilweise auch seltene Stücke aus den 70ern und 60ern. Chanel, Pucci, Christian Dior, Gucci –Theaterkunst hat alles. Unter anderem auch eine beachtliche Sammlung originaler Birkin Taschen. Gesamtwert ca. 20 000 Euro. Hinter unzähligen Plastikfächern und Stahlschubladen verstecken sich schillernde Ketten, Lingerie der vergangenen 80 Jahre, Diademe und Fächer. Sortiert nach Farben, Steinen,Größe und Herkunft.

Doch wir haben noch so gut wie nichts gesehen. Wir tauchen ein in ein Meer aus Damenkleidung von heute bis in die 60er. Kostüme, Jacken, Hosen, Kleider, alles hängt penibel sortiert auf endlos scheinenden Regalen. Vom Boden bis zur Decke. Ein Highlight: Das Abendkleid aus dem Film “Hilde”. Wir passieren eine Wand voller Schuhe, doch etwas sagt mir, dass da noch mehr kommt. Ich liege richtig. Ein ganzer Raum mit Schuhen aller Art erwartet uns.

Das Abendkleid für “Hilde” wurde von Heike Makatsch getragen / Ciara Steinbauer zeigt uns einige besondere Stücke.

Danach kommt die zeitgenössische Herrenkleidung. Diese Halle scheint fast noch größer. Alleine die Hosen beanspruchen eine ganze Wand. Ich finde das Foto spricht für sich. Chiara Steinbauer zeigt uns das Kostüm des deutschen Offiziers aus „Inglourious Basterds“  und das des Napoleons von Klaus Kinski.  Und dann schließt Frau Franke, Geschäftsführerin, eine Stahltür auf. Es geht in die Waffenkammer. Dort stapeln sich Gewehre, Messer, Schwerter und Rüstungen. Extra für uns zeigen uns die Damen noch das originale Gewehr mit Perlmut von Winnetou. Oliver darf es auch mal tragen. Jungenträume werden wahr.

Oliver, stolz wie Oscar mit Winnetous Gewehr/Die Herren-Halle/Das Kostüm aus “Inglourious Basterds”

Mit dem Aufzug geht’s hoch in den dritten Stock. Dort hängen Kleider von 1900 bis zu den 50ern. Wahnsinn. Mit großen Augen streifen wir durch die Kostüme. Daneben: Stets ein Regal mit den passenden Kopfbekleidungen.

Kleider von den 20ern bis 40ern. Petticoats in allen erdenklichen Farben.

Und schließlich wartet noch ein kleines Shooting auf uns. Sabine wird als Sissi und Oliver als Kaiser Franz verkleidet. Oliver sieht aus, als hätte er nie etwas anderes getragen. Und Sabine kann im Korsett kaum atmen. Die schweren Röcke kaum halten. Ist ja auch original getreu nachgeschneidert. Trotzdem sehen die beiden aus, wie aus einem Märchen. Vor allem aber: Wie die echte Sissi und ihr Franz.

Ein bisschen traurig bin ich schon, als wir das nette Team von Theaterkunst verlassen. Ich hätte noch Tage lang durch die Kleiderstangen stöbern und all die besonderen Kleider bestaunen können. Aber so geht es wahrscheinlich den meisten Besuchern dieser kleinen, riesigen Welt der Theaterkunst.

Sabine als Sissi...

...und Oliver als Franz

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