Filmtipp: Wir müssen über Kevin reden

Unser Filmtipp für den richtigen Moment – nichts für die Taschentuchfraktion. Der Film „We need to talk about Kevin“ (auf Deutsch: Wir müssen über Kevin reden) ist in bester Art-House Manier von der schottischen Regisseurin Lynne Ramsay verwirklicht worden, basierend auf dem Roman von Lionel Shriver. Er ist zerstörerisch und bedrückend, aber dafür mit einer spannenden Ästhetik ausgestattet, die von großartigen Schauspielern getragen wird. Eines muss vorweg gesagt werden: hier handelt es sich um schwere Kost, selbst für überzeugte Cineasten wie mich!  Aber ich denke, diesen Film muss man gesehen haben.

Filmtipp Wir müssen über Kevin reden

Die Geschichte erzählt uns eine von Beginn an gestörte Mutter-Sohn-Beziehung. Eva (hervorragend von Tilda Swinton dargestellt) hat Probleme mit ihrem ständig schreienden Baby, das sich ihr gegenüber immer bösartiger verhält. In seinen weiteren Entwicklungsjahren als Junge zeigt er verhaltensauffällige Muster und seine Gefühlskälte, wie Reaktionsarmut treiben seine Mutter in tiefe Zweifel, ob sie ihren Sohn Kevin nicht genug lieben würde.

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Alles, was Eva liebt und schätzt, wird nicht nur durch Reaktionen und zu erwachsen wirkenden Äußerungen in Frage gestellt, sondern anscheinend mutwillig und fast mit Freude zerstört. Ein Missverhältnis tritt so zu Tage, in dessen Zusammenhang Kevin (Ezra Miller als Jugendlicher) ein gutes Verhältnis zu seinem Vater aufbaut (John C. Reilly hier mal wieder hervorragend besetzt). Letztendlich kommt es zur großen Katastrophe, in der nur zwei Personen dieser Familie überleben.

Filmtipp Wir müssen über Kevin reden

Filmtipp Wir müssen über Kevin reden

Die Ursachen-Bewältigung wird nicht in den Vordergrund gestellt. Stattdessen wird eher mit einer subjektiven Herangehensweise auf die Hilflosigkeit, das Entsetzen und letztendlich die Fassungslosigkeit angesichts einer Gewalttat aufmerksam gemacht. Die Gegenwart wie Vergangenheit wird in provozierend langsamen Fragmenten dargestellt, so dass erst einmal Spannung entsteht. Die Parallelhandlungen, die sich mit den Folgen einer ungeheuerlichen Bluttat und der Vorgeschichte beschäftigen, geben erst sehr spät das wahre Bild des Geschehens preis. Unterstützt wird dies durch Zeitsprünge, Traumsequenzen und eine reiche Bildsprache, die die Geschichte fast an den Rand der Abstraktion führen. Ramsay setzt viel Assoziationen und einen starken Rhythmus ein, was die Zuspitzung dieser Familien-Tragödie nur noch verstärkt. Die Farbe Rot, die wie ein mahnendes Signal immer wieder auftaucht, erscheint uns in diesem Kontext mehr als symbolgeladen. Es ist anstrengend, dem Leben dieser Familie zu folgen, aber spannend und eindrucksvoll verstörend.

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Filmtipp Wir müssen über Kevin reden (5)

Am Ende bleibt die Frage offen, ob die Mutter bei der Erziehung durch emotionale Kälte versagt hat, oder ob Kevin bereits als pathologischer Soziopath geboren wurde. Wer ist also das Monster?

Hier geht’s zum Trailer!

Eine Antwort auf Filmtipp: Wir müssen über Kevin reden

  1. von Daisy
    28.Februar 2013 · 13:56 Uhr

    Also um ehrlich zu sein ich mochte den Film nicht so…. ;)

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