Huhn mit Pflaumen – Art House

Ein lebensmüder Geigenspieler, französische Erzählkunst und das zauberhafte Regietalent von Marjane Satrapi – Huhn mit Pflaumen, wärmstens empfohlen an viel zu kalten Herbsttagen.

Eine Geige wird zerstört und damit bricht die Welt des Violinvirtuosen Nasser-Ali Khan (Mathieu Amalric) komplett zusammen. Ohne diese Geige kann er nicht mehr spielen. Ohne diese Geige hat er keine Seele mehr. Einen Ersatz für seine geliebte Geige wird er kaum finden, die seinen Ansprüchen auch nur annähernd genügen wird. Schlussendlich: ohne Geige kein Leben! Er beschließt sich umzubringen, doch ist er sich über die Art und Weise noch nicht schlüssig. Diverse Selbstmordmethoden werden in der Fantasie durchexerziert und auch gleich wieder verworfen. Letztendlich legt sich Nasser-Ali ins Bett und beschließt in genau acht Tagen zu sterben. So werden wir mit auf eine Odyssee genommen, die mit einem Countdown beginnt und uns tragisch-komische Geschichten episodenhaft erzählt. In diesen acht Tagen beschäftigt er sich mit seiner Vergangenheit. Erinnerungen tauchen auf und so erfahren wir mehr über das Leben sowie das Geheimnis dieses lebensmüden Musikers bis ihn zum letzten Tag.

Huhn mit Pflaumen Suizid

Worum geht es? Es geht um Liebe und um Musik. Was auf den ersten Blick emotional und vielleicht auch banal anmutet, hat doch sehr viel mehr mit guter Erzählkunst zu tun – ein Märchen wie aus 1001 Nacht. Und genau darauf setzt die Iranerin und Exil-Französin Marjane Satrapi, ihres Zeichens Comiczeichnerin, Illustratorin und Filmemacherin. Sie bedient sich in sich verschachtelten kleinen Geschichten und verbindet somit in ihrem Film die klassische Märchenstruktur. Es geht also nicht nur um einen neurotischen, hoffnungslosen Violinisten, der mit dem Leben ringt, sondern um Rückblenden und Vorausschauen mit eigener Essenz und losgelöst vom Hauptplot. Dabei kommt die Situationskomik nicht zu kurz wie auch Parodien.

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Mit dem Erstlingswerk und Sensationserfolg „Persepolis“, einer Comic-Autobiographie, wurde Satrapi weltweit bekannt. In einfachen Schwarz-Weiß Bildern zeichnet und beschreibt sie ihre Kindheit sowie Jugendjahre in Teheran und Wien und schuf ein kritisches Gesellschaftsporträt. Den Regiestuhl teilte sie sich mit dem Regisseur Vincent Paronnaud. Das Erfolgsduo setzte seinen Erfolg mit dem im Jahre 2011 veröffentlichten Film „Huhn mit Pflaumen“ fort, der mit seinen Unberechenbarkeiten und Überraschungseffekten das Publikum an sich zieht.

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Satrapis selber sagte, dass im Iran gespielte Filme nicht unbedingt politisch sein müssen. Viel interessanter seien Liebe und gutes Essen. Und dabei sind wir beim Thema. Der Titel bezieht sich auf ein iranisches Nationalgericht, das auch im Film seinen würdevollen Auftritt hat.

Fotos via Youtube-Trailer

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