Art House: Life of Pi – 227 Tage mit Tiger

Surrealismus Teil 2: Art House – Life of Pi, eine geniale, herzzerreißende Geschichte über das wahre Leben.

Es wird wohl Niemanden auf dieser Welt geben, der ernsthaft daran glaubt, dass eine Reise gemeinsam mit einem bengalischen Tiger und einem Menschen auf einem Rettungsboot möglich wäre. Aber immerhin hat es ja schon Kafka geschafft, mit der Beschreibung der Verwandlung eines Menschen in einen Käfer den Leser mit auf eine fantastische Reise zu nehmen. Und darum geht es hier letztendlich. Fiktion, Fabel aber mehr noch, es geht um Parabeln.

In erster Linie handelt es sich im Film „Life of Pi: Schiffbruch mit Tiger“ um eine episch geschilderte Überlebens- wie auch Abenteuergeschichte eines Schiffbrüchigen mit religiösem Hintergrund. Der mit grandiosen Bildern ausgestattete Film verweist auf eine grausame Art auf das Überleben unter schwierigsten Bedingungen. Die Interpretation ist dabei fast nebensächlich und Jedem selbst überlassen.

Life of Pi Review 4Worum geht es? Der 17-jährige Sohn eines indischen Zoodirektors unternimmt eine Seefahrt auf einem Frachter, der die gesamte Familie nach Canada bringen soll. Der japanische Frachter Tsimtsum gerät in stürmisches Unwetter und sinkt. Als einzig Überlebender kann sich der Junge, Pi genannt, auf ein Rettungsboot flüchten. Doch mit großer Überraschung muss er feststellen, dass es  noch weitere Fahrgäste an Bord gibt. Eine Tüpfelhyäne, ein Orang-Utan-Weibchen, ein Zebra mit gebrochenen Beinen sowie ein bengalischer Tiger haben bereits das Rettungsboot in Besitz genommen. Von den Tieren überlebt allerdings nur der Tiger und so beginnt eine Odyssee mit vielen Abenteuern, die 227 Tage andauert, bis die beiden an der Küste von Mexiko landen.

Life of Pi Review 2“Life of Pi. Schiffbruch mit Tiger” basiert auf dem fantasievollen Roman des kanadischen Schriftstellers Yann Martel, für den er den britischen Man Booker Prize for Fiction erhielt. Mit mehr als sieben Millionen Exemplaren stand das Buch mehrere Jahre auf den Bestsellerlisten. Der Film wurde von dem taiwanesischen Regisseur Ang Lee vorwiegend im Studio aufgenommen und meistenteils mit computergenerierten Bildern erzeugt. Anhand des schwierigen und ungewöhnlichen Themas galt der Stoff als unverfilmbar.

Life of Pi ReviewDie Tiere symbolisieren für Pi die letzte Verbindung zu seinem gewohnten Leben. Auf der einen Seite will er sie beschützen – umso mehr als Sohn eines Zoodirektors -, auf der anderen Seite muss er sich vor ihnen schützen, um nicht angegriffen zu werden. Eine normale Kommunikation kann nicht entstehen und so sind Beobachtungsgabe und Sensibilität die einzigen Helfer, die die Verhaltensmuster unter Stress lebender Tiere erklärbar machen. Am Ende bleiben nur weiter Himmel und unüberschaubares Meer, die Einsamkeit und die Angst, die von beiden – dem Tiger wie dem Menschen – empfunden werden.

Life of Pi Review 3Nach der Strandung an der mexikanischen Küste wird Pi von Mitarbeitern des japanischen Unternehmens des Frachtschiffes befragt, wie es zu dem Unglück kam und was er auf seiner Überlebensreise erlebt hat. Nach Schilderung seiner Geschichte lehnen es die beiden Herren ab, dies in ihren Bericht aufzunehmen, da es zu unglaubwürdig ist. Und hier beginnt nun die Parabel. Pi erzählt eine andere Version und gibt an, dass ein Schiffskoch, ein buddhistischer Seemann mit gebrochenem Bein sowie seine Mutter sich ebenfalls auf das Boot retten konnten. Nach Amputation des kranken Beines durch den Schiffskoch, verstirbt der Seemann. Der Koch macht auch nicht Halt davor, die Mutter zu erschlagen, wird aber daraufhin von Pi getötet.

Letztendlich wurde aus einer realen Geschichte, die von Menschen handelt, eine fantastische Geschichte. Aber um den Schmerz, die Angst und den Hunger erträglicher zu machen, wurde Rollen neu besetzt.

Fotos via Youtube

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Eine Antwort auf Art House: Life of Pi – 227 Tage mit Tiger

  1. von Lola Finn
    19.November 2013 · 15:00 Uhr

    Das geilste und bewegenste Buch, das ich jemals las!

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